Der Tibet Spaniel darf entwicklungsgeschichtlich wohl zu den ältesten Kleinhunden gezählt werden, deren Ursprung und Geschichte man nicht eindeutig zurückverfolgen kann. In einigen Büchern wird er als Kreuzungsprodukt von Pekinese und Lhasa Apso angegeben. Beweise dafür gibt es allerdings keine. In seiner tibetischen Heimat heißt der Tibet Spaniel Jemtse Apso, was so viel bedeutet wie "geschorener Apso".
In Tibet wurden Tibet Spaniel nicht nur in den Klöstern gezüchtet, sondern auch von höhergestellten Familien als Haushund gehalten. Die schönsten und kleinsten Hündchen wurden als Gunstgeschenk an die Mönche in den Klöstern gegeben, so konnte man dort die kleinsten und elegantesten Rassevertreter antreffen, welche zum Teil weniger als 2 kg wogen und ganz besonders geschätzt wurden. Im Kloster übernahmen sie durchaus wichtig Aufgaben. Sie saßen auf den Klostermauern und meldeten alles, was sich Auffälliges tat, so dass die Do Khyis und die Mönche aufmerksam wurden. Hieraus erklärt sich auch, warum Tibet Spaniel auch heute noch so gerne auf Fensterbänken sitzen.
Die lamaistischen Mönche richteten vor allem die Tibet Spaniel ab, um die Trommeln der Gebetsmühlen antreiben zu lassen. Im Winter, während der langen und kalten Meditationsstunden lag oft ein kleiner Tibet Spaniel in einem Ärmel der Mönchskutte und diente sozusagen als lebende Wärmflasche.
Im Buddhismus spielt der Löwe eine große Rolle. Eine Legende sagt, dass sich die kleinen Hunde zum Schutze Buddhas bei Gefahr in einen Löwen verwandeln. Aus diesem Grund bevorzugte man löwenfarbige Hunde mit üppiger Mähne. Sie galten als kostbare Geschenke und Glücksbringer. Diese kleinen Hund wurden als besondere Wertschätzung verschenkt, aber niemals verkauft. Noch 1908 wurde der Kaiser-Witwe in China so ein kleiner Hund vom Dalai Lama als Gastgeschenk überreicht.
Der Tibet Spaniel ist der kleinste der vier tibetischen Hunderassen und kam erstmals 1905 nach England. Der Name "Spaniel" ist unzutreffend, weil er nie als Jagdhund verwendet wurde. Die Engländer bemühten sich um die Anerkennung der Rasse im Kennel Club und haben Parallelen zu anderen bekannten Hunderassen gezogen. Im Allgemeinen verstehen sie unter "Spaniel" kleine, langhaarige Hunde.
Die Rasse wurde 1961 von der FCI anerkannt. Die ersten Tibet Spaniels kamen erst 1967 nach Deutschland. Zwei Jahre später wurden erstmals vier Hunde auf einer Ausstellung vorgestellt und im April 1970 fiel der erste Wurf. Auch heute noch ist der Tibet Spaniel fast überall unbekannt. Eine Ausnahme bilden nur die nordischen Länder, allen voran Finnland, wo der Tibet Spaniel zu den beliebtesten Kleinhunden zählt.